OMG — Oh My God
FSV Mainz 05 – Hier beginnen Fußballkarrieren! Als Spieler, Trainer und Manager. Wer könnte es besser wissen als Jürgen Norbert Klopp, der am 1. Juni 2019 mit dem FC Liverpool Champions-League-Sieger wird?,,Alles was ich bin, bin ich durch euch“, sagt ,,Kloppo“, der als Spieler und als Coach den Klub geprägt hat wie kaum ein anderer, bei seinem Abschied 2008 unter Tränen. Doch Mainz 05 und seine Macher und Präsidenten stehen nicht immer für die Solidität, die Harald Strutz, von 1988 bis 2017 im Amt, verkörpert.
Ein Transfer-Meister mit schillernden Präsidenten: Jürgen Jughard, 1980 gewählt und mit sämtlichen Vollmachten versehen, führt den Verein bis zu seinem rätselhaften Tod 1982 fast in die Pleite. Jughard liebt die Inszenierung. Noch zu Oberliga-Zeiten lädt er sämtliche Klubpräsidenten der Liga auf seine Kosten zur Karnevalssitzung ein. Den Gewinn der deutschen Amateurmeisterschaft im Juni 1982 lässt er sich richtig etwas kosten. Es wird im im Stadtparkrestaurant ,,Favorite“ getafelt – und es gibt ein bisschen mehr als ,,Worschd, Weck und Woi“, die Mainzer Ess-und-Trink-Dreifaltigkeit. Es werden Salmmedaillons, Fasanenessenz „mit kleinen Bällchen und Fleischauswahl ,,nach Meisterart“ gereicht. Für Jughard gibt es die Ehrenmedaille der Stadt Mainz, sozusagen der höchste Nicht-Fastnachtserorden. Für Missstimmung sorgt nur Rolf Braun (,,Wolle mer se roilosse?“), Sitzungspräsident bei der Fernseh-Fastnacht (,,Mainz wie es singt und lacht“), der als Geschenk einen Erste-Hilfe-Koffer mitbringt. Man hat in Mainz sicher schon besser gelacht. Schluss mit lustig ist dann im August 1982. Da verliert der Vorsitzende und Vereinsmäzen Jürgen Jughard seinen Job bei der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL). Drei Tage später kommt er in der Nähe von Koblenz bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ohne Mäzen, klagt der Mainzer Oberbürgermeister und FSV-Beirat Jockel Fuchs, steht der Verein ,,jetzt plötzlich vor dem Sturz ins Nichts“. Und das auch dank der ,,Altlasten“ von Jughard, der zwei Jahre lang Klub und Spieler mit Sachzuwendungen und Bargeld ,,in Millionenhöhe“ (Fuchs) verwöhnt hat. Die Wohltaten werden allerdings von Jughard, wie Betriebsprüfer ermitteln, durch Veruntreuungen bei seinem Arbeitgeber finanziert. Dass die geschädigten Unternehmen ihr Geld zurückwollen und das Finanzamt Steuerschulden reklamiert, ist die logische Folge. Ein Koblenzer Sportartikelgeschäft, an dem Jughard über die DAL beteiligt ist, präsentiert Rechnungen über umgerechnet 200.000 Euro. Streckenweise kann der Verein sogar die Gehälter für seine Oberliga-Spieler nicht mehr bezahlen…
Schluss im Jahr 2014: Seinen Vertrag will Thomas Tuchel im Mai 2014 nicht mehr erfüllen, obwohl dieser noch ein Jahr läuft. Stattdessen will er ein Sabbatical nehmen, genau wie es Pep Guardiola vorgemacht hat. In Mainz wohnen bleiben will er aber doch. „Freiwillig“, wie er später in einem Interview sagt, als er im Jahr 2015 mit seinem neuen Verein Borussia Dortmund wieder in Mainz spielt. Das Verhalten von Tuchel im Frühjahr 2014 hinterlässt „mixed emotions“ und eine gehörige Portion verletzten Stolz in Mainz, zum Beispiel beim damaligen Vereinspräsident Harald Strutz. Der sagt der BILD-Zeitung anlässlich des Besuchs von Tuchel mit dem BVB: „Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, sich nicht zu grüßen. Wir haben nur unterschiedliche Auffassungen von Respekt. Dabei bleibe ich, muss mich dafür auch nicht rechtfertigen. Punkt. Sein Abgang war schon grenzwertig.“ Tuchel will das zunächst nicht kommentieren, tut es dann aber doch: „Über Herrn Strutz habe ich mich nicht mehr geärgert. Wie und wo er es gesagt hat, sagt mehr über Harald Strutz als über mich.“Der Abgang von Thomas Tuchel – Oh My God. Jürgen Klopp hätte das wohl so hinbekommen, dass niemand sauer gewesen wäre.
