Personae Non Gratae
Kurt Beck – Der Rivalenfreund: Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist seit seiner Kindheit bekennender Fan der „Roten Teufel“ aus 1. FC Kaiserslautern. Die Sympathien des früheren Landesvaters mit den Erzrivalen vom 1. FC Kaiserslautern stößt den Mainzern seit jeher sauer auf. „Leider stört sich ein lautstarker Teil der Mainzer Fans daran, dass ich seit frühester Kindheit Anhänger des FCK bin. Das bedauere ich und ziehe daraus meine Konsequenzen“, spricht Beck über das Pfeifkonzert, das ihm im Mainzer Stadion stets entgegenschlägt. Besonders sauer schlägt Beck der 3. Juli 2011 auf. Der Landesfürst wird bei der Arena-Eröffnung in Mainz dermaßen ausgepfiffen, dass er vorzeitig abreist… Später gibt er seine Dauerkarte ab und lässt verlautbaren, dass er zukünftig keine Spiele mehr in der Opel Arena besuchen werde. Ganz gerecht ist das Verhalten der Mainzer Fans nicht. Denn ohne die Unterstützung der Beck-Regierung hätte das neue Stadion der Mainzer nie gebaut werden können.
Jörn Andersen – Der Wortkarge: Kommunikationsprobleme führen zur knappsten Entlassung eines Trainers vor Saisonbeginn in der Bundesligageschichte (Stand: Dezember 2019). 2008 löst der Norweger Jürgen Klopp nach einem gescheiterten Aufstiegsversuch auf der Trainerposition ab und schafft am Ende der Spielzeit mit Mainz den Sprung in die Bundesliga. Doch die Begeisterung über seinen Erfolg hält nicht lange an. Drei Tage nach der Pokalpleite beim Viertligisten VfB Lübeck (1:2 n.V.) und vier Tage vor dem ersten Punktspiel bei Bayer Leverkusen fällt ein unerwarteter Entschluss: Andersen muss weg. „Am Ende müssen wir festhalten, dass seine und unsere Vorstellungen von der gemeinsamen Arbeit nicht mehr miteinander vereinbar waren“, erklärt FSV-Präsident Harald Strutz Zu wenig Kommunikation mit der Mannschaft und (nach Meinung des Mainzer Vorstands) falsche Trainingsmethoden kosten den Norweger den Job. Kritiker werfen ihm hinterher vor, Schuld am Verletzungsaus von 14 Profis in der Vorbereitung gewesen zu sein. Rückkehr nach Mainz? Ausgeschlossen.

Jürgen Rische - Der Aufstiegsverhinderer: Ein einziges Tor kostet die Mainzer 2003 den Aufstieg. Geschossen wird es von Braunschweigs Stürmer Jürgen Rische. Nach einer starken Saison steht der FSV am 25. Mai 2003 nach einem 4:1 in Braunschweig Sekunden vor Saisonende auf dem Aufstiegsplatz. Freude und Jubel bei den Rot-Weißen, bevor die Hiobsbotschaft aus Hessen eintrifft. Alexander Schur, ein Freund von Jürgen Klopp aus gemeinsamen Zeiten bei Rot-Weiß Frankfurt, hat zum 6:3 für Eintracht Frankfurt gegen den SSV Reutlingen 05 getroffen. Die Frankfurter haben plötzlich eine um ein einziges Tor besseren Tordifferenz und verdrängen die Mainzer auf den vierten Rang. Aufstieg abgewendet. Hätte Rische nicht zum für die Braunschweiger völlig unbedeutenden 1:4 getroffen, wären die 05er bereits damals Erstligisten gewesen. Hat er aber...
Johannes Kaluza – Der Präsident mit der roten Hose: Als Johannes Kaluza im Juni 2017 zum Nachfolger von Harald Strutz und neuen Chef von Mainz 05 gewählt wird, jubeln die Mainzer Ultras. Im Winter 2017 ist jede Euphorie gewichen. Weniger als sechs Monate hat der Neue gebraucht, um sich als „ungeeignet“ für das Amt als „Cheffe“ zu entpuppen. Der gesamte Vorstand ist gegen ihn. Schon zweimal hat man ihn bis November 2017 zum Rücktritt aufgefordert. Ein Höhepunkt: Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins stellt Kaluza seine „Nicht-Bezahlung“ in den Mittelpunkt seiner Rede. 15 Minuten lang. Dabei ist er angetreten, ehrenamtlich zu arbeiten? Doch plötzlich verlangt er Honorar und einen Dienstwagen. Der Aufsichtsrat genehmigt ihm 3.000 Euro. 20.000 Euro weniger als seinem Vorgänger. Zum Nikolaustag 2017 tritt Kaluza zurück. In einem offenen Brief formuliert er: „Der gute Ruf des 1. FSV Mainz 05 als sympathischer, familiärer Klub darf nicht in Zweifel gezogen werden. Und in einer sportlich angespannten und auch wirtschaftlich herausfordernden Situation unseres Klubs dürfen nicht Nebenkriegsschauplätze in den Mittelpunkt rücken und Kräfte binden, die wir für unseren gemeinsamen Erfolg brauchen.“