Akte 1. FSV Mainz 05
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OMG — Oh My God!

Präsident Jürgen Jughard: Mäzen, Veruntreuer, plötzlicher Unfalltod 1982

Jughard finanzierte Mainz 05 ab 1980 mit Millionen aus Veruntreuungen bei der DAL — drei Tage nach seiner Kündigung starb er bei einem Autounfall.

Ein Transfer-Meister mit schillernden Präsidenten: Jürgen Jughard, 1980 gewählt und mit sämtlichen Vollmachten versehen, führt den Verein bis zu seinem rätselhaften Tod 1982 fast in die Pleite. Jughard liebt die Inszenierung. Noch zu Oberliga-Zeiten lädt er sämtliche Klubpräsidenten der Liga auf seine Kosten zur Karnevalssitzung ein.

Den Gewinn der deutschen Amateurmeisterschaft im Juni 1982 lässt er sich richtig etwas kosten. Es wird im im Stadtparkrestaurant ,,Favorite“ getafelt – und es gibt ein bisschen mehr als ,,Worschd, Weck und Woi“, die Mainzer Ess-und-Trink-Dreifaltigkeit. Es werden Salmmedaillons, Fasanenessenz „mit kleinen Bällchen und Fleischauswahl ,,nach Meisterart“ gereicht.

Für Jughard gibt es die Ehrenmedaille der Stadt Mainz, sozusagen der höchste Nicht-Fastnachtserorden. Für Missstimmung sorgt nur Rolf Braun (,,Wolle mer se roilosse?“), Sitzungspräsident bei der Fernseh-Fastnacht (,,Mainz wie es singt und lacht“), der als Geschenk einen Erste-Hilfe-Koffer mitbringt. Man hat in Mainz sicher schon besser gelacht.

Schluss mit lustig ist dann im August 1982. Da verliert der Vorsitzende und Vereinsmäzen Jürgen Jughard seinen Job bei der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL). Drei Tage später kommt er in der Nähe von Koblenz bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ohne Mäzen, klagt der Mainzer Oberbürgermeister und FSV-Beirat Jockel Fuchs, steht der Verein ,,jetzt plötzlich vor dem Sturz ins Nichts“.

Und das auch dank der ,,Altlasten“ von Jughard, der zwei Jahre lang Klub und Spieler mit Sachzuwendungen und Bargeld ,,in Millionenhöhe“ (Fuchs) verwöhnt hat. Die Wohltaten werden allerdings von Jughard, wie Betriebsprüfer ermitteln, durch Veruntreuungen bei seinem Arbeitgeber finanziert. Dass die geschädigten Unternehmen ihr Geld zurückwollen und das Finanzamt Steuerschulden reklamiert, ist die logische Folge.

Ein Koblenzer Sportartikelgeschäft, an dem Jughard über die DAL beteiligt ist, präsentiert Rechnungen über umgerechnet 200.000 Euro. Streckenweise kann der Verein sogar die Gehälter für seine Oberliga-Spieler nicht mehr bezahlen…

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